Hallo WiQQi! Wenn wir über Technik reden, gibt es Missverständnisse, weil Technik ein kontextabhängiger Begriff mit vielen Gesichtern ist. Was genau das bedeutet, erläutere ich in diesem Video. Meine Name ist Josef Huber. Ich bin Pflegewissenschaftler und verantworte das SimDeC der Ostschweizer Fachhochschule, in dem wir gerade zu Gast sind. Wenn wir über Technik sprechen kommt es zu Missverständnissen. Immer.  An was Denkst Du jetzt gerade, wenn Du an Technik denkst? Schreibs Dir gerne im Geiste auf. Technik ist ein Begriff, der im Laufe der Zeit sehr vieles bedeutet hat. Das ist ein sehr gutes Fundament für Missverständnisse. Und so kann es dazu kommen, dass wir von ganz unterschiedlichen Dingen sprechen, weil wir den Kontext nicht ausgetauscht haben. Ich beginne mal ganz weit vorn... ... und denke an die Technik des Feuermachens. Hier ist Technik eine Prozedur. Wir können an die Erfindung des Rades denken. Das Rad ist hier ein Gegenstand. Ein Artefakt. Wir können an die Technologie "Strom" denken - oder an die Technik die dafür notwendig ist. Wir können an Informations- und Kommunikationstechnologien, Cloud-Computing und an Künstliche Intelligenz denken und alles was in Zukunft noch entwickelt werden wird. Ich persönlich denke bei Technik am allerliebsten an den Sokratischen Dialog oder andere Gesprächsführungstechniken. War die Technik, an die Du gedacht hast etwas eher neues oder innovatives? Das würde mich nicht wundern, das ist die häufigste Assoziation, die mir begegnet. Missveständnisse können also daher kommen, dass wir in verschiedene Richtungen denken. Technik der Vergangenheit oder Zukunft, High-tech oder Low-Tech, Artefakte oder Prozeduren. Aber auch, wenn wir in die gleiche Richtung denken, entstehen Missverständnisse. Besonders dann, wenn Gattungsbegriffe eine breite Vielfalt abbilden. Wenn wir uns jetzt den Begriff "Ortungstechnik" ansehen, bemerken wir eine breite Vielfalt in Bezug auf die grundlegenden Konzepte oder die erwünschten oder unerwünschten Effekte. Der gleiche Begriff kann damit auch ganz verschiedene Bedürfnisse und Bedarfe adressieren. (((( Otiom /Invoxia / Acticom )))) Was ist der Unterschied zwischen diesen Trackern? (ACTICOM) Der hier nutzt das LTE-Netz für die Datenübertragung. (Invoia) Der hier nutzt Lora. (Otiom) und der hier Narrowband, NBIoT. Das sind verschiedene Funkstandards - die unterschiedlich viel Energie verbrauchen, wenn sie Standortdaten versenden. Ein geringerer Energieverbrauch bedeutet, dass ich bei gleicher Batterielaufzeit häufiger - mgangssprachlich genauer - orten kann. Alternativ kann ich längere Batterielaufzeiten ermöglichen. Das gilt natürlich nur dann, wenn die Batterie gleich gross ist. Alternativk ann ich kleinere Batterien nutzen und damit die Grösse und Gewicht des Ortungsgeräts redzieren. Basierend auf Zeit, präzision, Grösse und Gewicht kann ich unterschiedliche Konzepte Konstruieren. Ist jetzt der eine Funkstandard besser als der andere? - Um mich um diese Frage im Detail herumzumogeln  antworte ich mit: Es kommt darauf an, wie gut das Netz ausgebaut ist. (((Fussfessel, Smartphone, Seniorenhändi)))) Worin unterscheiden sich diese Ortungsgeräte? Ich möchte jetzt auf den Grad der Stigmatisierung oder weniger negativ in Bezug auf die Zuschreibungen abheben. Bei der Fussfessel wird oft an den Strafvollzug gedacht. Dieses Smartphone war mal smart - ist es das heute auch noch? Dieses Telefon wird gerne als Seniorenhändi bezeichnet. Und darin verborgen sind oft Funktionen wie reduzierte Bedienung oder höhere Lautstärke. (((Uhr/pesos/uhr))) Hier sehen wir verschiedene Konzepte abgebildet. Diese Uhr schliesst an die Fussfessel an und kann mit Zwang am Arm befestigt werden. Sie sendet ausserdem regelmässig den Standort, kann also zum Tracking verwendet werden - zu lasten der Batterielaufzeit. Diese Uhr sendet nur dann einen Standort, wenn ich den roten Knopf drücke. Zugunsten von Batterielaufzeit und der informationalen Selbstbestimmung. Aber auch zu Lasten der Zuverlässigkeit: In einem Keller oder einer Höhle kann es durchaus sein, dass ich kein Ortungssignal empfange - oder kein Funknetz habe. In diesem Fall kann es sein, dass mein Notruf nicht oder nicht vollständig ankommt. Und dieses Ding kann gar nicht selbst Orten oder senden - es ist eher eine Fernbedienung, die das Smartphone dazu bringt, diese Funktionn zu übernehmen. (((( Schuhsole ))) Meist wird unter Ortungsgeräten verstanden, dass eine andere Person geortet wird. Wir hatten einmal einen Fall zu bearbeiten, bei dem wir nach einem Ortungsgerät gesucht haben, das zuverlässig signalisieren kann, wenn ich an einer bestimmten Bushaltestelle bin. Dabei bin ich über das Konzept der vibrierenden Schuhsole zur Navigation gestossen. Vibrieren rechts bedeutet rechts abbiegen. Vibrieren links bedeutet links abbiegen. Kein Vibrieren beduetet gerade aus. Und wenn beide Sohlen vibrieren bin ich wohl zu weit gegangen.... Technik kann also vielfältig sein und führt zu Missverständnissen. Und diese sind häufig auch mit Bewertungen verbunden. Für mich gibt es aber keine per se "gute" oder "schlechte" Technik. Mit dem Missverständnispotenzial, das ich gerade angesprochen habe erst recht nicht. Ein "gut" oder "schlecht" gibt es für mich auch dann nicht, wenn ich ein ganz konkretes Produkt vor mir habe, weil das "gut" und "schlecht" immer auch von der Bedarfslage abhängt. Insofern gilt für mich, wenn ich bewerten möchte, dass es ein situatives mehr oder weniger bedarfsgerecht, gibt, aber nichts absolutes. Denn: Es lassen sich immer Situationen und Betrachtungsweisen konstruieren, die eine Bewertung ins Gegenteil umkehren können. Hollywoodfilme zeigen und das sehr schön: Die Atombombe rettet in Filmen wie Armargeddon die Welt - und in anderen Filmen wird sie von Bösewichten eingesetzt, um die Welt zu vernichten. Die Komplexität der Sitaution wird im folgenden Filmzitat aus Indiana Jones 4 gut abgebildet: (((( https://youtu.be/jn4Vhkmb4Lw --- (Indiana Jonses 4 (2/10) Movie CLLIP - Saved By the Fridge 2008) HD)))) Selbst wenn wir an das selbe technische Lösung denken, können Missveständnisse entstehen - wenn wir die Lösung aus verschieden Interessen und Kontexten heraus denken und bewerten. Und das machen wir nur allzu gerne.  Ich kann die Bewertung von Technik immer ins Gegenteil verkehren, indem ich "Technik" aus der Perspektive verschiedener Akteursgruppen betrachte. Auf dem Feld meiner Profession kann ich die Technik aus Perspektive der Person, die Pflege beansprucht - oder Pflege erbringt betrachten. Im Innovationsbereich bemüht man gerne die Quadruple Helix - das sind Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. In der Quintuplen Helix wird noch die Umwelt dazugenommen. Natürlich gibt es auch weitere Akture, etwa jene, die Technik missbräuchlich nutzen. Aber darauf muss ich gar nicht eingehen, denn wenn ich den Kreis noch enger ziehe, muss ich zugeben, dass ich es schon erlebt habe, dass das schlichte Lesen eines Handbuchs meine persönliche Bewertung einer technischen Lösung komplett ins Gegenteil verkehrt hat. Zwinkersmile. ((Kiste mit Handbüchern umschütten.)) Ich kann aus perspektive der Moral bzw. von Werten überlegen, Was bedeutete eine technische Lösung für die vier Medizinethischen Prinzipien "Autonomie", "Gutes tun", "niht schaden", "Gerechtigkeit" Es gibt natürlich auch weitere Werte, etwa die Würde. Und schliesslich gibt es fachliche Überlegungen, die etwa die Evidence betreffen oder ich kann erwünschte oder unerwünschte Effekte bewerten. Was bedeutet das für eine beliebige Technik - etwa den Fensterantrieb? Zunächst die Frage: Was macht der Fensterantrieb? Er öffnet bzw. schliesst das Oberlicht, sobald ich den Motor entsprechend ansteuere. Ich öffne also nicht mehr das Fenster selbst - sondern betätige einen Schalter, der irgendwo positioniert sein kann oder nutze eine Automatisierungsregel. Da wird also ein Prozess verändert. Diese Veränderung kann zu einem Besseren oder schlechteren Lüften führen - und damit zu mehr oder weniger Schimmel. Das Beeinflusst die Bewertung des Gerätes durch die Wohnugnswirtschaft - aber auch aus gesundheitlichen Perspektiven. Der Antrieb verbraucht mehr Ressourcen als ein manueller Verschluss. Das kann ich jetzt aus Perspektive der Umwelt aber auch aus Perspektive der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes betrachten. Und aus Perspektive der Bewegung macht es einen Unterschied, ob ich eine Automatisierung einführe, einen Knopf drücke oder das ganze Fenster bewege. Für manche Menschen ist es wichtig, sich zum Fenster zu bewegen um es zu öffnen, weil sie damit ihren Körper trainieren. Anderen Menschen ist das gar nicht möglich, sich überhaupt zum Fenster zu bewegen. Missverständnisse entstehen also auch bei völliger Klarheit zur technischen Lösung, wenn der Kontext unklar ist. Nochmals zusammengefasst sind Missverständnisse bei der Kommunikation über Technik normal. Das meine ich nicht moralisierend, dass es okay ist, dass diese Missverständisse auftreten. Ich möchte damit betonen dass es sehr aussergewöhnlich wäre, wenn wir über Technik reden und wirklich das gleiche oder gar dasselbe meinen. Das liegt zum einen am Technikbegriff selbst, der ein Begriff mit vielen Gesichtern ist und auch Gattungsbegriffe in sich sehr vielfältig sind, und zum anderen liegen die Missverständisse darin, dass wir Technik aus verschiededenen Perspektiven und Kontexten höchst unterschiedlich bewerten - und damit unterschiedlich deuten können. Vor diesem Hintergrund solltest Du das folgende Statement argumentativ wiederlegen können: "Dieser Kugelschreiber ist gut!" Drücke im Zweifel auf die Pause Es kann keine per se "gute" oder "schlechte" Technik geben, weil sich immer Situationen und Betrachtungsweisen konstruieren lassen, die die Bewertung ins Gegenteil verkehren. Und das ist Grundlage für jedes solide Missverständnis. Missverständnisse aufdecken kann ich, indem ich kläre, aus welcher Perspektive  Technik betrachtet wird und auch die wertebezogenen und fachlichen überlegungen offenlege.  Und um es aber deutlich zu sagen: Nur Missverständnisse aufgedeckt wurden, bedeutet das noch nicht, dass wir uns verstehen. Wie gesagt sind Missverständnisse die Regel und ein ständiger Begleiter. Aber es tut gut zu Wissen, wo sie besonders dominant sind. Und damit verbleiben wir wie immer: WiQQi weiss nicht alles, aber wenn wir unser Wissen teilen, wissen wir alle mehr.