Lehrveranstaltungsbeschreibung: Arbeitsbelastungen in der Sozialen Arbeit modellieren
Titel: Arbeitsbelastungen in der Sozialen Arbeit – Erkennen, Verstehen, Modellieren
Dozent: Stefan Paulus, Department Soziale Arbeit, OST
Kontakt: stefan.paulus@ost.ch

Veranstaltungskonzept
Diese Lehrveranstaltung beschäftigt sich mit Arbeitsbelastungen aus subjektorientierter Perspektive und deren Bewältigung – sowohl im Hinblick auf eigene berufliche Belastungen als auch auf Arbeitsbelastungen und Folgeerkrankungen wie Stress oder Burnout bei Klient:innen der Sozialen Arbeit.
Lernziele
Die Studierenden werden befähigt:
- Arbeitsbelastungen systematisch zu erkennen: Eigene und fremde Arbeitsbelastungen anhand etablierter Modelle zu identifizieren und zu analysieren
- Belastungsverläufe zu verstehen: Die Entstehung und Entwicklung von Arbeitsbelastungen aus subjektorientierter und struktureller Perspektive nachzuvollziehen
- Belastungssituationen zu modellieren: Komplexe Arbeitsbelastungssituationen mit Hilfe von Verhaltensdiagrammen über Zeit (Behavior-over-Time-Graphs) darzustellen
- Interventionsansätze zu entwickeln: Kipp- und Hebelpunkte in Belastungsverläufen zu identifizieren und daraus Handlungsstrategien abzuleiten
Inhaltliche Schwerpunkte
1. Theoretische Grundlagen
Arbeitsforschung und Belastungskonzepte
- Zusammenhänge von Arbeit, Gesundheit und Gesellschaft
- Ökonomisierung des Sozialen und ihre Auswirkungen
- Spannungsverhältnis Subjekt/Wirtschaft
Entstehung von Arbeitsbelastungen
- Ökonomische Prinzipien und Mehrwertproduktion
- Optimierung von Betriebsmitteln und Arbeitskraft (Taylorismus, Lean Production, Industrie 4.0)
- Handlungswidersprüche zwischen gesellschaftlichen Ansprüchen und realen Handlungsmöglichkeiten
2. Subjektorientierte Perspektive
Von der Struktur zum Subjekt
- Leistungs- und Konkurrenzideologie als Handlungsaufforderung
- Selbstschädigungen und “Durchkommen”-Strategien
- Verbrauch von Ressourcen vs. deren Wiederherstellung
Psychosoziale Mechanismen
- Rolle fehlender Solidarität und kollektiver Identität
- Selbstbeschuldigung statt Systemkritik
- Depression als “implodierte Wut”
- Angst vor Desintegration (Heitmeyer)
3. Modellierung von Arbeitsbelastungen
Sechs zentrale Dimensionen der Gefährdungsbeurteilung
- Arbeitsbelastung (Strukturebene): Äußere Bedingungen und Anforderungen im Arbeitssystem
- Arbeitsbeanspruchung (Subjektebene): Personenbezogene Auswirkungen (Burnout, Erschöpfung, psychosomatische Symptome)
- Bedeutungen (Symbolebene): Hegemonien, Diskurse, Ideologien, Selbstbilder, Glaubenssätze
- Bewältigungsstrategien und Ressourcen: Individuelle Handlungsfähigkeit und verfügbare Mittel
- Wechselwirkungen: Zusammenhänge zwischen Beruf, Familie, Rollenerwartungen, Konflikten
- Zeit: Dynamische Entwicklung von Belastungen, Identifikation von Kipp- und Hebelpunkten
Methodischer Zugang
- Behavior-over-Time-Diagramme als Modellierungsinstrument
- Identifikation von Kippunkten (Verschlechterung) und Hebelpunkten (Verbesserung)
- Entwicklung von Interventionsstrategien
Didaktisches Konzept
Die Veranstaltung kombiniert:
- Theoretische Inputs: Arbeitspsychologie, kritische Psychologie, Systemtheorie
- Reflexive Selbsterkundung: Analyse eigener Arbeitsbelastungen und Bewältigungsstrategien
- Praktische Modellierungsarbeit: Entwicklung von Verhaltensdiagrammen über Zeit zu konkreten Fällen
- Gruppenarbeit: Gemeinsame Erarbeitung von Schaubildern und Interventionsansätzen
- Fallanalysen: Untersuchung von Belastungssituationen aus der Praxis
Aufgabenstellungen
Hauptaufgabe: Modellierung eines eigenen Falles
Studierende entwickeln ein Schaubild (Verhaltensdiagramm über Zeit), das folgende Elemente enthält:
- Arbeitsbelastungen (Stressoren auf Strukturebene)
- Beanspruchungen und Auswirkungen (Subjektebene)
- Glaubenssätze und Bedeutungszuschreibungen
- Bewältigungsstrategien und Ressourcen
- Wechselwirkungen zwischen beruflichen und lebenslagenspezifischen Stressoren
- Zeitlicher Verlauf mit Kipp- und Hebelpunkten
Das Modell kann händisch designt werden (Flipchart oder Zeichenprogramm) oder eine eigens dafür entworfene Software für Behavior-over-Time-Graphs genutzt werden.
Literaturgrundlagen
- Paulus, S. (2023). Erschöpfungsdepressionen: Zur zeitlich-dynamischen Erfassung von Krankheitsverläufen. Psychotherapie-Wissenschaft, 13(2), 39–45. https://doi.org/10.30820/1664-9583-2023-2-39
- Paulus, S. (2024). Methodology and Empirics of Subject-Science Labor Research. Forum Qualitative Sozialforschung Forum: Qualitative Social Research, 25(3). https://doi.org/10.17169/fqs-25.3.4219
Zielgruppe
Studierende der Sozialen Arbeit, die sich mit Arbeitspsychologie, Gesundheitsförderung und kritischer Gesellschaftsanalyse auseinandersetzen möchten sowie Interesse an reflexiver Selbsterkundung und methodisch-systematischer Analyse von Belastungssituationen mitbringen.
| Metadaten | |
|---|---|
| Version | |
| Bloomsche Taxonomy | |
| Sprache | |
| Anzahl Lektionen | 8 |
| Art des Unterrichts | |
| Voraussetzungen | |
| Vorbereitungen, Bedingungen | |
| Lernziele |
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| Autor | Stefan Paulus; Alexander Scheidegger |
| Co-Autor:innen | |
| Original-Studiengang |
Kein
. Semester |
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